Antibiotika bei irreversibler Pulpitis?

Die irreversible Pulpitis ist eine Entzündung des Zahnmarks. Das Zahnmark oder die Zahnpulpa wird  auch “Nerv” genannt. Wie der Name schon sagt, bildet sich die irreversible Pulpitis nicht mehr zurück. Mit der irreversiblen Pulpitis sind starke Zahnschmerzen verbunden. Sie ist einer der häufigsten Gründe für eine Schmerzbehandlung. Angezeigt ist bei den betroffenen Zähnen die Wurzelkanalbehandlung. Einige Zahnärzte verschreiben für irreversible Pulpitis Antibiotika (und Schmerzmittel) ohne eine Wurzelkanalbehandlung durchzuführen.

Die Frage der Übersichtsarbeit ist es, ob bei den Patienten durch Antibiotika die Schmerzen gelindert werden können? Es wurde eine einzige, methodisch saubere, Untersuchung zu dieser Frage gefunden. In dieser randomisierten, kontrollierten Studie wurden 40 Patienten untersucht. Das Ergebnis ist, dass Antibiotika, neben Schmerzmitteln, keinerlei zusätzliche Schmerzminderung bewirken.

35 gefundene Studien

1 eingeschlossene Studie mit total 40 Patienten

Kommentar:

Wenn, z. B. wegen Zeitmangel, keine Wurzelkanalbehandlung (oder Extraktion) möglich ist, genügen Schmerzmittel um die Symptome zu lindern. Angesichts der wachsenden Resistenz von Erregern, u. a. wegen zu häufiger und falscher Antibiotikagabe, ist eine große Zurückhaltung bei der Verordnung sinnvoll. Ganz besonders, wenn, wie bei der irreversiblen Pulpitis, lediglich Kosten entstehen, der gewünschte Effekt aber ausbleibt.

Die Fragestellung des Reviews ist auf die irreversible, symptomatische Pulpitis beschränkt. Aussagen über den Nutzen von Antibiotika bei eitrigen Abszessen an Wurzelspitzen oder in  Kieferabzessen können aus der Übersichtsarbeit nicht abgeleitet werden.

Patienten werden auf die Einnahme von Antibiotika gerne verzichten, wenn die Schmerzreduktion gleich Null ist, dagegen Nebenwirkungen von Antibiotika, wie Durchfall, Resistenzbildung oder Allergien auftreten können.

Keine Schlussfolgerung:

Dieser Bericht klingt methodisch aber basiert auf einer klinischen Studie mit geringer Fallzahl. Er liefert einen schwachen Beweis, dass es keinen bedeutenden Unterschied bezüglich der Schmerzminderung für Patienten mit unbehandelter irreversibler Pulpitis gibt, ob Antibiotika zusätlich zu Analgetika verschrieben wurde oder nicht.