Evidenzbasierte Zahnmedizin

Warum entstanden systematische Übersichtsarbeiten (Reviews), bzw. wieso zählen sie mit zu den wissenschaftlichen Arbeiten mit dem höchsten Evidenzlevel? Was sind überhaupt Evidenzen?

Zurzeit findet ein Wechsel von der Eminenzbasierten (Personenbezogen) zur Evidenzbasierten (Beweisgestützen) Wissenschaft statt.

Lange Zeit wurde sich bei der Anwendung klinischer Methoden und Verfahren sowie in der Verabreichung von Medikamenten lediglich auf den Expertenrat renommierter Fachkollegen verlassen. Dieser Rat führte oft dazu, dass schlechte Studiendesigns, industriegetriebene Entscheidungen oder nicht begründete Überlegungen am Patienten umgesetzt und ausgeführt wurden. Der Beweis über einen Nutzen für den Patienten blieb dabei oft aus. Soweit nachvollziehbar wurde der Begriff Evidenz nach heutigen Gesichtspunkten erstmals beschrieben und konsequent  durch die Canadian Task Force on the Periodic Health Examination angewandt . Der Grund dafür war, dass Sie den Auftrag erhielten, Empfehlungen für präventivmedizinische Anleitungen zu erarbeiten. Die Überprüfung der Sicherheit dieser Empfehlungen sollte durch die Hierarchie der Evidenzen geschehen. Die Einleitung erfolgte in drei Grade: poor, fair, good.

Dieses Vorgehen entwickelte sich zum Standard bei der Bewertung von medizinischen Technologien und wurde sogar zum Maßstab in Kostenübernahmeentscheidungen der Bundesausschüsse Ärzte/Krankenkassen übernommen.

Die Idee der Evidenz an sich geht jedoch schon viel weiter zurück: Die Idee der Evidenzbasierten Medizin lässt sich auf das in der 2. Hälfte des im 18. Jahrhundert von britischen Ärzten entwickelte Konzept der “medical arithmetic” zurückführen.

Erstmalig findet sich die Bezeichnung in dem 1793 publizierten Artikel ” An attempt to improve the Evidence of Medicine” des schottischen Arztes George Fordyce. In Großbritannien wurde auch eine der ersten kontrollierten klinischen Studien durchgeführt.

Schon 1753 wurde eine der ersten kontrollierten klinischen Studien veröffentlicht, James Lind führte einen Versuch durch, indem er Skorbut mit Orangen und Zitronen behandelte.

Evidenzbasierte Medizin (EbM = beweisgestützte Medizin)  fordert den bewussten, ausdrücklichen und abwägenden Gebrauch der jeweils besten empirischen Evidenz für Entscheidungen in der Versorgung einzelner Kranker,von Gruppen von Kranken und ganzen Bevölkerungen. Die klinische Praxis der EbM beinhaltet die Integration von klinischer Expertise, Patientenpräferenzen und externer Evidenz aus systematischer patientenorientierter Forschung.

Die Evidenzbasierte Medizin soll patientenorientierten Entscheidungen eine wissenschaftlichere Grundlage geben,  als dies oft der Fall war, durch:

Versorgung individueller Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten.

Systematische Suche nach relevanten Evidenz in der zahnmedizinischen Literatur für ein konkretes zahnärztliches Problem.

Kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch epidemiologischen Gesichtspunkten.

-Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellung der Patienten.

1993 entstand aus dem Grund die Cochrane Collaboration (benannt nach dem britischen Arzt und Epidemiologen Sir Archibald Leman Cochrane 1909-1988), dessen Leben und Schaffen der Verbesserung klinischer Studien (RCT) gewidmet war, Sein großes Vorbild war der zuvor beschriebene britische Arzt James Lind.

1972 erschien sein Buch “Effectiveness and Efficiency: Random Reflections on Health Services) welches den Beginn der aktuellen internationalen Bemühungen um “Evidence based Medicine” markiert.