Kariesentfernung

 

Die überholte systematische Übersichtsarbeit vom Dezember 2012 konnte acht Studien mit 934 Patienten mit 1372 Zähnen zur vollständigen oder minimalen (ultrakonservativen) Kariesentfernung auswerten. Es stellt sich heraus, dass die minimale Kariesentfernung gegenüber der vollständigen Entfernung das Risiko der Eröffnung des Zahnmarks (“Nerv”) senkt. Die minimale Kariesentfernung führt nicht häufiger zu Beschwerden, als die vollständige Entfernung. Da das Risiko der Pulpaeröffnung gesenkt wird, ist die minimale Kariesentfernung vorzuziehen. Darüber, ob in einer zweiten Sitzung nach einiger Zeit die verbliebene Karies noch entfernt werden muss, lagen für den Review keine ausreichenden Daten vor. Allerdings zeigen Studien über das Belassen von Karies im Zahn, ohne Wiedereröffnung und vollständige Entfernung der Restkaries, keine nachteiligen Effekte.

Karies ist die häufigste Erkrankung der Zähne und die Behandlung verursacht hohe Kosten. Klassischerweise wird die Karies vollständig mit Bohrern oder Handinstrumenten entfernt, um den kariösen Verfall zu stoppen. Die dann kariesfreien Löcher werden gefüllt.

Dieses Vorgehen der vollständigen Kariesentfernung und anschließenden Füllung des Defektes war früher das anerkannte Standardverfahren und wurde so von Generationen von Zahnärzten praktiziert.

In jüngster Zeit wurde dieses Vorgehen in Frage gestellt. Abweichend vom klassischen Vorgehen der vollständigen Kariesentfernung gibt es drei Behandlungsstrategien, die alle Karies zumindest zeitweise und teilweise im Zahn belassen. Das Belassen von Karies zeigt keine nachteiligen Effekte und die Gefahr der Pulpaeröffnung wird gesenkt.

Die drei Strategien sind:

  1. Die Karies wird belassen und lediglich mit einem Füllungsmaterial abgedeckt.
  2. Nur ein kleiner Teil der Karies wird entfernt und eine permanente Füllung verschließt den Zahn dauerhaft.
  3. Nach einer nur minimalen Kariesentfernung wird der Zahn provisorisch mit einer einfachen Füllung verschlossen. In einer zweiten Sitzung, einige Wochen später, wird das Provisorium abgenommen, die Karies diesmal vollständig entfernt und eine endgültige Füllung gelegt.

Die Literatur konzentriert sich auf das Fortschreiten der kariösen Läsionen und den Grad der Infektion des Dentins. Daneben wird über die Gesunderhaltung des Zahnmarkes und die Lebenserwartung der Restaurationen geforscht. Gegenwärtig gibt es für die zahnärztliche Praxis wie auch für die Lehre sehr unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Belassung von Karies in einer Kavität.

Gefundene Studien: 56

Eingeschlossene Studien: 8 (Total 934 Patienten und 1372 Zähne)

Bias: hoch

Kommentar:

Für eine klare Empfehlung, Karies bei tiefen Läsionen zu belassen, um eine Eröffnung der Pulpa zu vermeiden, scheinen die wissenschaftlichen Belege noch zu spärlich zu sein.

“The other no dentinal caries removal study, which investigated primary teeth, showed a statistically significant difference in restoration failure favouring the Intervention”

Für eine wissenschaftlich stark begründete Empfehlung zur unvollständigen Kariesentfernung sind weitere Langzeitstudien und Reviews auf hohem Evidenzniveau nötig, und das unter besonderer Berücksichtigung unerwünschter Effekte, sowohl bei der vollständigen, wie auch bei der minimalen Kariesentfernung. Es ist nach dem Auftreten einer irreversiblen Pulpitis, einer Pulpanekrose, einer Kariesprogression besonders bei fehlender, minimaler oder zweizeitiger Kariesentfernung, nach Versagen der Restaurationen und letztlich nach dem Erhalt der betreffenden Zähne zu prüfen.

Dennoch scheinen die gegenwärtigen klinischen Studien auf hohem Evidenzniveau zu zeigen, dass die nur minimale Kariesentfernung das Risiko der Pulpaeröffnung stark senkt. Zugleich stellt die ultrakonservative Kariesentfernung kein erhöhtes Risiko für eine Pulpitis oder die Haltbarkeit der Füllungen dar.

Keine Schlußfolgerung:

Das Resultat dieser systematischen Übersichtsarbeit schloss die Nullhypothese aufgrund keiner Unterschiede bezüglich des Vorliegen eines Schadens des Zahnnerven (Pulpa) aus, ungeachtet ob das Entfernen der Karies (ultrakonservativ), minimal oder vollständig gewesen war und nimmt die Nullhypothese ohne Unterschied hinsichtlich des Kariesfortschreitens und der Langlebigkeit der Restaurationen an. Die Patientenzahlen innerhalb der verschiedenen Studien sind klein und unterscheiden sich beträchtlich.

Teilweise Kariesentfernung ist demnach bei tiefen kariösen Läsionen vorzuziehen, um das Risiko einer kariösen Infektion der Pulpa zu verringern. Jedoch gibt es nur unzureichende Beweise darüber, ob eine Wiedereröffnung und weitere Exkavation notwendig ist. Die Studien, in denen die Kavitäten nicht wiedereröffnet wurden, berichten nicht über nachteilige Konsequenzen.