Nutzen der Cochrane Reviews in der Zahnmedizin

Systematische Übersichtsarbeiten haben sich durch die Cochrane Collaboration für therapeutische Fragestellungen zu einem hoch angesehenen Werkzeug der Evidenzbasierten Medizin entwickelt. Es wird diesen Arbeiten mehr Beachtung geschenkt als einzelnen Studien.

Die Systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration machen Aussagen über die Wirksamkeit von Therapien. Sie sind keine Handlungsempfehlungen sondern sollen die Entscheidungsfindung von Arzt und Patient unterstützen.

Eine solche Entscheidungsfindung und ein dadurch entstandener klinischer Nutzen können jedoch erst bestehen, wenn dem Arzt in Form einer Schlussfolgerung eine klare Aussage über die Wirksamkeit eines Medikamentes oder einer Therapie mitgeteilt wird.

Ich habe dazu 2008 eine Literaturrecherche zu den zahnmedizinischen “Systematic Reviews” unter Cochrane Library

in der Sektion “Oral Health” durchgeführt.

Nach Sichtung der Reviews und dem Ausschluss einiger doppelter Treffer betrug die Anzahl an fertigen Reviews 79. Acht dieser 79 Reviews konnten keine Daten auswerten, da keine Studie den Einschlußkriterien genügte.

Die Situation der ausgewerteten Reviews zeigt deutlich, dass obwohl sie systematisch durchgeführt wurden, 57,74 % gar nicht zu einer brauchbaren Aussage über die Wirksamkeit eines Verfahrens/Medikaments für den praktizierenden Zahnarzt kommen.

Nur etwa 40 % der Übersichtsarbeiten sind frei vom hohen Risiko für Bias oder mit einer abschließenden Zusammenfassung zum Biasrisiko der ausgewerteten Studien. Dies bedeutet, dass nur ein Bruchteil der Übersichtsarbeiten eine brauchbare Aussage für den praktisch tätigen Zahnarzt geben und nur ein verschwindend geringer Teil ein niedriges Biasrisiko hat.

Die Strukturierung und Schaffung allgemein gültiger Konzepte zur Planung, Durchführung, Datenerhebung der Outcome Results sowie auch des Publizierens von wissenschaftlichen Studien in der Medizin und Zahnmedizin ist notwendig, um im Zeitalter des Qualitätsmanagements nachvollziehbare und miteinander vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.

Die in der Theorie gut überlegte Herangehensweise der Cochrane Reviews bringt in der Praxis die Gefahr mit sich, ein verzerrtes Bild darzustellen. Die Cochrane Reviews stellen sehr hohe Ansprüche an klinische Studien. Die momentane studienlage liefert aber nur zu einem geringen Teil Daten, welche aus Studien mit diesem hohen wissenschaftlichen Niveau stammen.

In dieser Situation scheinen systematische Reviews dieser Qualität noch ihrer Zeit voraus. In der gezeigten Form ausgewertet ist der klinische Nutzen dieser Übersichtsarbeiten für den Behandler sehr gering, weil wenig Schlussfolgerungen oder sogar Empfehlungen gegeben werden.

Es ist jedoch zu vermuten, dass zukünftig mehr qualitativ hochwertige Studien durchgeführt werden, um evidenzbasierten Grundsätzen zu genügen, so dass zu einem späteren Zeitpunkt solche Auswertungen vielleicht hoch evidente Leitlinien darstellen können.

 

Erklärungen:

Bias:

Systematische Fehler, der zur Verzerrung von Studienresultaten führt. Bias führen entweder zu einer Über- oder Unterschätzung einer Wirkung. Die Ursachen liegen vor allem in Design und Durchführung der Studie.

Outcome (Ergebnis, Endzustand) :

Übergeordneter Begriff für die Auswirkungen von therapeutischen oder präventiven Maßnahmen und anderen Expositionen. Als Ereignise zählen in Studien zum Beispiel Komplikationen, Todesfälle oder erwünschte Ergebnisse, wie etwa wiedergängige Koronararterien bei der Behandlung von Angina pectoris(z.B. nach Stent Operation)